Der SPD-Ortsverein Heidelberg-Rohrbach pflegt eine langjährige Tradition der Wertschätzung verdienter Mitglieder: Nicht als Teil einer Mitgliederversammlung , sondern als eigene Veranstaltung wurde die Winterfeier etabliert. In diesem Rahmen wurden erneut drei engagierte Mitglieder für ihre 25-, 40- und 50-jährige Parteizugehörigkeit im Gasthaus Roter Ochsen geehrt. Die Ehrungen nahm dieses Mal Ines Palm, Kandidatin der Heidelberger SPD für die Landtagswahl am 8. März, vor. Sie überreichte im Namen des Parteivorstandes die Urkunden und dazugehörigen Ehrennadeln.
Begrüßt wurden die Anwesenden durch die beiden stellvertretenden Vorsitzenden des Ortsvereins Rohrbach, Rita Schanzenbach-Bauer und Bernhard Hochlehnert.
Investition in die Zukunft
Ines Palm skizzierte prägnant ihre politischen Schwerpunkte, die sie, sollte sie den Einzug schaffen, im Landtag vertreten will. Im Bereich Bildung betonte sie die Bedeutung dieser Ressource. Sie sei eine der wenigen „Rohstoffe“, über die Deutschland und Baden-Württemberg verfügen. Bildung müsse daher im Mittelpunkt politischer Maßnahmen stehen. Ihr Leitgedanke: „Ich setze mich dafür ein, dass jedes Kind die gleichen Chancen erhält, unabhängig von seiner Herkunft. Investitionen in Bildung sind Investitionen in unsere Zukunft.“
Auch Gesundheit sieht sie als prioritäres Feld, welches auf Landesebene maßgeblich gestaltet werde. Gesundheit definiert sie als umfassendes Menschenrecht und fordert, Zugänge zur Gesundheitsversorgung sowie angemessene Vergütung in Pflegeberufen zu gewährleisten.
Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf betrachtet Ines Palm als weiteren zentralen Aspekt gesellschaftlicher Chancengleichheit. Zu ihren Forderungen zählen verlässliche Betreuungsangebote, gebührenfreie Kindertagesstätten und faire Rahmenbedingungen, die nicht vom Wohnort oder Einkommen abhängig sind.
In der anschließenden Diskussion wurden unter anderem Themen wie Handyverbot an Schulen, Social-Media-Nutzung ab 16 Jahren und die Verbeamtung von Lehrkräften erörtert.
Im Anschluss stand die Ehrung der langjährigen Jubilare im Mittelpunkt.
Kritischer Geist
Erster Geehrter war Wilfried Schollenberger, seit 25 Jahren Parteimitglied. Der „kritische Geist“ der SPD Heidelberg ist seit 1984 Mitglied einer DGB-Gewerkschaft, zuletzt der IG Metall. 2000 dann der Eintritt in die SPD, bereits damals wissend, dass es nicht einfach werden würde. Doch gemäß seinem Credo, dass diejenigen, die „etwas ändern können und wollen, dazu auch eine innerparteiliche Zustimmung brauchen. Und deshalb halte ich eine Parteimitgliedschaft auch dann für richtig, wenn man mit der aktuellen Politik in großen Teilen nicht einverstanden ist“. Daraus leitete er auch sein praktisches Engagement ab: Unter anderem war er mehrfach Beisitzer im Kreisvorstand und war Internet-Beauftragter. Zudem hat er sich zunächst der BaWü-Linken in der SPD, später der DL21 angeschlossen.
Aktuell ist er in der SPD-Initiative „Mehr Diplomatie wagen" und im überparteilichen Gesprächskreis Frieden Heidelberg aktiv. Seit ein paar Jahren leitet er zusammen mit einer Kollegin den Arbeitskreis Seniorinnen und Senioren in der IG Metall Heidelberg.
Von Kindesbeinen an
Frank-Roland Fiedler ist bereits 40 Jahre in der SPD und hat die Parteiidentität seit seinen Kindertagen vermittelt bekommen. Seine Mutter, so berichtete er es, habe um 7:00 Uhr bei der Arbeit sein müssen. Der Kinderhort der Arbeiterwohlfahrt sei aber erst um 8:00 Uhr geöffnet worden. Dieser befand sich in der Gaisbergstraße 40 und dort war auch das Heidelberger SPD-Parteibüro. Da habe er dann immer die erste Stunde verbracht, betreut von den Büromitarbeiterinnen und -mitarbeitern und beschäftigt mit Konfettiherstellen mit dem Locher und der dortigen Rechenmaschine.
Das Misstrauensvotum gegen Helmut Schmidt 1982 hat Fiedler als äußerst ungerecht empfunden und ihn politisiert. Nach Beginn seiner Ausbildung ist er Ende 1985 in die SPD eingetreten. Sein erstes Parteiamt folgte 1988, als er zum Beisitzer im Kreisvorstand gewählt wurde. Auch im Privaten spielte die SPD eine herausragende Rolle: Seine Frau hat er bei einer SPD-Veranstaltung kennen gelernt. 1991 übernahm er das Amt des Kassierers im Ortsverein Rohrbach, das er noch heute, 36 Jahre später, innehat. Eines seiner Highlights war die Wahl von Beate Weber zur Oberbürgermeisterin und die Bundestagswahl 1998, bei der die SPD zum letzten Mal mehr als 40% der Stimmen bekommen hat – goldene Zeiten.
Gerechtigkeit und Antifaschismus
Der Jubilar mit der längsten Mitgliedschaft war Jürgen Ziegler. Er ist bereits seit 50 Jahren bei der SPD. Seine Ausbildung startete er 1967 bei der Deutschen Bundespost. Damit wer für ihn klar, dass er in der Deutschen Postgewerkschaft Mitglied wird. Da wurde er Jugendvertreter und Ortsjugendleiter, danach folgte 1975 der Eintritt in die SPD, da für ihn die Themen Gerechtigkeit, Solidarität und Bildung für alle immer zentrales Anliegen waren. Wie bei so vielen inspiriert von der beeindruckenden Persönlichkeit Willy Brandts.
In der Gewerkschaft fand sein weiteres Berufsleben statt. Vom Bildungszentrum Gladenbach als Sekretär über den Hauptvorstand der Deutschen Postgewerkschaft in Frankfurt führte sein Weg nach Karlsruhe, wo er als Bezirksvorsitzender 30.000 Mitglieder vertrat. Als Ver.di gegründet wurde, wurde Ziegler der erste Geschäftsführer von ver.di für Mittelbaden/Nordschwarzwald. Das blieb er bis zu seiner Rente.
Die zweite Säule seines Engagements ist der Kampf gegen faschistische Tendenzen. Jürgen Ziegler hat sich mit dem Konzentrationslager Natzweiler-Struthof im Elsass befasst. Das Thema hat ihn nicht losgelassen und er schrieb darüber das Buch „Mitten unter uns“. Zudem führte er zahlreiche Schulklassen und andere Besuchergruppen durch das Lager. Heute ist er sehr froh darüber, dass das Thema inzwischen in viele Schulen auf dem Programm steht. „Post und Postler im Nationalsozialismus – Verfolgung und Widerstand“, war ein weiteres Projekt von ihm mit Kollegen der Deutschen Postgewerkschaft.
Der Tierschutz war ein weiteres Herzensprojekt und er war leidenschaftlicher Gassigeher im Heidelberger Tierheim. Und dort traf er auch Paula, der heute bei ihm und seiner Frau zuhause ist.
Von der SPD wünscht er sich weniger Streit, mehr Durchsetzungskraft.
Ines Palm gratulierte den drei langjährigen Mitgliedern und überreichte jeweils die Urkunden mit silberner, roter und goldener Ehrennadel.
Landtagskandidatin Ines Palm (2.v.l.) ehrte im Rahmen der Winterfeier des SPD-Ortsvereins Rohrbach Jürgen Ziegler (3.v.l.), Frank-Roland Fiedler (3.v.r) und Wilfried Schollenberger (2.v.r.) für ihre 50, 40 und 25 Jahre währende Treue zur SPD. Links und rechts die stellver-tretenden Vorsitzenden des OV Rohrbach Rita Schanzenbach-Bauer und Bernhard Hochlehnert.